Was braucht man für die Therapie?

 

 

 

Widmen wir uns zunächst dem Faktor Zeit. Der Faktor Zeit ist, meiner Ansicht nach, der kollektivste und zugleich bekannteste Faktor, zu dem wir eine konstante, präsente und oft gespannte Beziehung in unserem Leben haben. Dieser Faktor spielt auch in der Begleitung durch die ganzheitliche Kunsttherapie eine wichtige Rolle.

Für viele von uns, die wir in der Ganzheitlichen Kunsttherapie arbeiten, implementieren wir in unseren Sitzungen ein Konzept von Zeit, das wir „weiche Zeiten“ nennen.

Eine Sitzung in der ganzheitlichen Kunsttherapie dauert 50 Minuten, aber unter uns gesagt: Ich muss gestehen, dass meine Sitzungen in der Regel ein wenig länger dauern. Nach meiner Erfahrung manifestieren sich in diesen zusätzlichen Minuten oft Erkenntnisse, die die Therapie noch bereichern und folglich zu einer besseren Beziehung zu sich selbst und zum Leben beitragen.

Wie bei fast jeder Art von Therapie wirkt auch die ganzheitliche Kunsttherapie sofort, aber ebenso auf kurze, mittlere und vor allem auf lange Sicht.

Eines der Ziele einer Sitzung in der ganzheitlichen Kunsttherapie ist es, bewusst und erwachsen mit dem in Beziehung zu treten, was uns beschäftigt. Daher wird in der Sitzung dem, was gerade präsent ist – dem, was uns bewegt und gesehen werden muss – die notwendige Zeit und ein sicherer Raum gegeben.

Der Übergang zu der unvermeidlichen Begegnung mit der Kunst ist ebenfalls eine Frage der Zeit. Jeder Prozess, jedes Thema hat seine eigene Zeit und braucht sie auch. In einer Sitzung der ganzheitlichen Kunsttherapie wird diesem Prozess die Zeit gegeben. Aus Sicht der ganzheitlichen Kunsttherapie lautet das Motto: Stressfrei, urteilsfrei und frei von der Notwendigkeit, effizient zu sein.

Meine Aufgabe als ganzheitlicher Kunsttherapeut ist es, diesen sicheren Raum anzubieten und die Sitzung mit genügend Möglichkeiten und Materialien zu begleiten, um eine bereichernde Begegnung mit der heilenden Kunst zu ermöglichen. Malerei, Poesie, Tanz und andere künstlerische Mittel begleiten die Sitzung und fungieren als Werkzeuge und Agenten, die eine Begegnung mit Emotionen in Ehrlichkeit und Mitgefühl fördern.

Ohne die Erwartung, etwas „Gutes“ oder „Großartiges“ zu schaffen, oder ein werkwürdiges Kunststück zu produzieren … wenn es passiert, auch gut! Aber eins ist sicher: Die Begegnung mit der Kunst in einer Sitzung der ganzheitlichen Kunsttherapie ist eine tiefe Erfahrung, die unsere Wahrnehmung und Art zu leben verändert.

Ohne Druck, mit Freiheit und in Freiheit – vom Pinselstrich bis zum Klang – ist die Kunst immer präsent. Selbst wenn wir nur sprechen, zeigt sich die Kunst: Denn auch im heilenden Dialog gibt es Kunst.

Darüber hinaus liegt der Gewinn in der ganzheitlichen Kunsttherapie im Prozess selbst.